presse

Die Markthändler kehren zurück

30.11.2007
Morgenpost

Marheinekehalle wird nach elf Monaten Umbau und Sanierung wiedereröffnet

Friedrichshain-Kreuzberg Im Hauptgang liegen noch Holzbalken quer auf dem Boden, daneben ein Haufen Plastikplanen und ganz hinten, in der Ecke, etwas verloren: ein Herd. Handwerkerund Händler eilen umher, es riecht nach Farbe und Holz: In der Marheinekehalle herrscht das geordnete Chaos. Und die Zeit drängt. Immerhin soll morgen die Wiedereröffnung gefeiert werden. Aber niemand hat Zweifel daran, dass das klappt. "Bleiben doch noch etliche Stunden", sagt Frau Lorenzen, die hier seit fast 40 Jahren Obst und Gemüse verkauft, "zur Not schlafen wir eben nicht."

Die Fittkau GmbH fertigte für die Markthalle Geländer und Handläufe Foto: ddp
Rund elf Monate war die Kreuzberger Traditionsmarkthalle wegen des Umbaus geschlossen. Während ein Gutteil der Händler in einem Containerdorf auf dem Marheinekeplatz nebenan ausharrte, wurde kräftig saniert. Von dem ursprünglichen Gebäude aus den Fünfzigerjahren mit Keller aus dem 19. Jahrhundert blieb gewissermaßen nur das Skelett übrig. Das Dach wurde gedämmt und bekam große Fenster. Großzügig war man mit Glas auch an der Südseite der Halle, wo nun die Restaurants und Essstände residieren werden. 14 riesige Fenster lassen dort jede Menge Licht einfallen. Es gibt jetzt einen Fahrstuhl, eine Galerie und einiges, das man nicht auf den ersten Blick sieht: Heizungen, Lüftungen, Leitungen - alles neu.

"Das wird die schönste Halle Berlins", sagt Frau Lorenzen. Sie steht wieder in dem Container, in dem sich das "Fruchthaus Lorenzen" die letzten Monate eingerichtet hatte ("Schlecht lief es hier auch nicht"), eben noch hat sie den Handwerkern den Marsch geblasen, laut, energisch, jetzt lacht sie, trotz allem Durcheinander. "So ist das eben beim Umziehen."

Ihr neuer Stand ist fertig, gerade werden die Balken noch mit Bildern von Früchten dekoriert, auch "Wurst Haase" links und die Fleischereien gegenüber sind einzugsbereit. Einigen Kollegen ist es etwas schlechter ergangen mit ihren Standbauern, die Tapasbar "El Naranjo" lässt sich bisher eher erahnen - Inhaber Klaus Brünger ist zwar gehetzt, aber guten Mutes: "Das schaffen wir, mithilfe der Familie klappt das. Wir sind begeistert von der neuen Halle." Sagt's und macht sich wieder auf den Weg vom Container zur Halle.

Streit der Vergangenheit fast vergessen

Keine Rede ist mehr von dem zeitweise erbitterten Streit, der dem Umbau der Markthalle vorausgegangen war. Vor allem die Anwohner hatte die Sorge vor einer Umwandlung der Halle in einen Luxuseinkauftempel umgetrieben - und vor der geplanten Tiefgarage; einige der alten Händler kapitulierten vor den Kosten. Es gab lange Diskussionen an Runden Tischen und in der Passionskirche, damals. Der Mieterrat stritt mit der Betreibergesellschaft BGM, die Händler mit, Künstler setzten sich ein, die Politik mischte mit. Am Ende verhärteten sich die Fronten.

Vor gut zwei Wochen sah sich der Mieterrat denn auch bestätigt - im Jahresbericht 2007 würde der Präsident des Berliner Rechnungshofs den Umbau ein wirtschaftlich fragwürdiges Projekt nennen, hieß es von dort.

Davon will aber im Moment kaum jemand etwas wissen. Zwar werden einige der alten Händler nicht mehr zurückkommen - aber es sind neue dazugekommen. Insgesamt 53 Händler und Gastronomen werden hier künftig arbeiten. Inzwischen soll es sogar eine Warteliste von Interessenten geben.

Und auch die meisten Anwohner, die die letzten Aufbauarbeiten durch die großen Fenster beobachten, sind von der modernisierten Halle angetan. "Das ist alles viel luftiger, heller jetzt", sagt Klaus L., der um die Ecke wohnt. "Aber ein bisschen hat sie ja ihren alten Charme verloren." Immerhin: Der kleinteilige Charakter der Halle wurde, so gut es ging, beibehalten. Es gibt weiter Stände mit Haushaltswaren, Kosmetik, den Schuster und Schlüsseldienst. "Jeder Stand bleibt doch für sich ein Tante-Emma-Laden", sagt auch Frau Lorenzen.

© Berliner Morgenpost 2007

Von Jennifer Wilton
  zurück   nach oben