28.05.2006
Morgenpost
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Stefan Fittkau - Foto: Elsässer
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Großprojekte sichern Überleben des kleinen Berliner Handwerkbetriebs Fittkau
Berlin - "Das Leistungsprogramm hat sich seit der letzten Beschreibung im Jahr 1943 so gut wie gar nicht verändert, nur manchmal das Handwerkszeug. Anstatt der Blechschere wird heute eher der Laser eingesetzt." So beschreibt Stefan Fittkau, Alleininhaber der Stefan Fittkau Metallbau + Kunstschmiede GmbH in Berlin-Weißensee, Tradition und Moderne seiner Firma. Sie hat die DDR als VEB Kunstschmiede Berlin überlebt und spielt nach der schnellen Privatisierung 1990 eine große Rolle am Markt weit über die Hauptstadt hinaus.
Die vielen Referenzprojekte wie Bodemuseum, Jüdisches Museum, Bundespräsidialamt, Olympiastadion, Ritz Carlton Hotel, Hauptbahnhof, Südkreuz, Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam, ARD-Hauptstadtbüro und viele mehr mögen ein Zeugnis davon geben. Sein Unternehmen habe sich in einer Zeit, als zwei Drittel der Konkurrenz wegen der Schwierigkeiten am Baumarkt in Konkurs gehen mußten, gut behaupten können, sagt Stefan Fittkau im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. In der Hauptstadt kann er auf seinem ganz speziellen Markt des Kunsthandwerks gar nur noch einen Konkurrenten (Noack in Neukölln) erkennen. Warum das so ist, dafür weiß er drei Punkte zu nennen.
Der erste hat mit der Geschichte zu tun. Fittkau war nie in dem Maß auf die öffentlichen Auftraggeber fixiert wie die Konkurrenz, weil die Firma am gesamten Markt erst nach der Wende auftauchen konnte. So war sie auch weniger vom Ende der öffentlichen Baus betroffen, der im alten West-Berlin bis zu 80 Prozent der Aufträge zu verteilen hatte. Zweitens habe sich Fittkau sofort nach der Wende überregional aufgestellt und heute europaweit. Das Auslandsgeschäft stehe aber erst am Anfang. Drittens ist für Fittkau die alte Kunst des Handwerks ein Überlebensfaktor. "Wir bieten noch viele Techniken, die nicht mehr jeder kann." Aus dem Schmied sei der Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung geworden, für den nach wie vor Restaurierungen sowie Neugestaltungen mit hochwertigen Rohstoffen kein Problem seien.
Das sei nur möglich mit einem festen Mitarbeiterstamm, sagt Fitthau. "Die Fluktuation ist bei uns gleich null." Die Mannschaft ist aber entsprechend der Geschäftsausweitung stark von 16 zur Wendezeit auf jetzt 55 Personen gewachsen. Allein in den letzten eineinhalb Jahren sind fünf neue Arbeitsplätze hinzugekommen. Fittkau stellt jährlich drei neue Lehrlinge ein. Das hat auch mit der aktuell recht expansiven Entwicklung zu tun. In diesem Jahr erwartet der Firmenchef einen Umsatz von acht Mio. Euro nach fünf Mio. im Vorjahr. Das starke Wachstum relativiert sich aber sofort durch den Hinweis, daß ein großer Materialeinsatz das Bild verfälsche. Die echte Wertschöpfung der Firma habe sich nicht in dem Maße vergrößert. Über die Ertragslage sagt der Firmenchef, daß sich die Aussichten in diesem Jahr verbessert hätten.

Der Handwerksbetrieb und sein Geschäftsführer
Die Firma
Im Jahr 1926 als Familienbetrieb in Berlin gegründet und noch lange so in der ehemaligen DDR tätig, wurde der Betrieb 1972 als VEB Kunstschmiede Berlin verstaatlicht. Im Jahr 2002 erwarb Stefan Fittkau alle Geschäftsanteile. Fittkau hatte sich bei der Firma vom Lehrling über den Werkstattmeister bis zum Geschäftsführer hochgearbeitet.
Der Chef
Stefan Fittkau, 1967 in Berlin-Pankow geboren, hat nach der Schule bei dem VEB Kunstschmiede Berlin eine Lehre gemacht. An Abitur und Studium war nicht zu denken, den Fittkau war ein engagierter Katholik und Gegner des Wehrdienstes.
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