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In 20 Sekunden ist der Fluchtweg zum Spielfeld frei
Erste Rettungsbrücke wurde im Olympiastadion eingebaut

30.03.2006
Berliner Zeitung


Unter Beteiligung der Firma Fittkau baut die Firma Hauk aus Berlin-Charlottenburg 29 Fluchtwegbrücken ein. Die Umbauarbeiten an den Glasgeländern werden gemeinsam mit der Firma Bayer durch Firma Fittkau realisiert.
(Foto: Markus Wächter)
Zweieinhalb Monate vor dem ersten WM-Spiel im Olympiastadion ist die erste von insgesamt 29 versenkbaren Rettungsbrücken über dem Reportergraben eingebaut und erfolgreich getestet worden. Sie ist 1,80 Meter breit und 1,75 Meter lang und aus stabilem Stahl. Mit Hilfe der Brücken können die Besucher bei einer Evakuierung des Stadions von den Rängen über den 2,70 Meter tiefen und 1,80 Meter breiten Graben auf das Spielfeld geleitet werden. Auf Entscheidung der Polizei werden die motorbetriebenen Brücken durch Knopfdruck ausgefahren. Nach rund 20 Sekunden sind sie begehbar. Bis 22. Mai sollen die übrigen versenkbaren Brücken eingebaut werden. Hinzu kommt ein fest installierter 30. Durchgang auf Höhe der 100-Meter-Bahn im Block F. Das erste WM-Spiel im Olympiastadion findet am 13. Juni statt.
Die Stiftung Warentest äußerte sich gestern zufrieden. Es sei eine "passable Lösung" gefunden worden, sagte der Projektleiter für die Sicherheitsuntersuchung der zwölf WM-Stadien, Jürgen Armbrecht. Die Warentester hatten Anfang des Jahres bemängelt, dass der Reportergraben im Fall einer Panik zur tödlichen Falle werden könnte. Jürgen Armbrecht sagte, besser wäre jedoch gewesen, wenn das Land Berlin bereits beim Umbau des Stadions daran gedacht hätte. Die Gefahren, die von dem Graben ausgehen, habe die Stiftung Warentest schließlich bereits im Jahr 1985 öffentlich gemacht. Berlin hätte sich viel Ärger ersparen können, wenn dies berücksichtigt worden wäre. Zum Mechanismus der Rettungsbrücken sagte Armbrecht: "20 Sekunden können im Fall einer Panik lang sein, sie müssen es aber nicht." Auf den ersten Blick scheine die nun gefundene Lösung deswegen "okay zu sein". Es könne aber Situationen geben, in denen es mit der Ausfahrzeit für die Brücken knapp werde. Sollte es tatsächlich zu solch brenzligen Situationen kommen, in denen schnell gehandelt werden muss, brauchen die Zuschauer nicht zu warten, bis die hüfthohen Geländer an den Brücken ausgefahren sind, sie könnten schon nach zwölf Sekunden losgehen, weil dann bereits der Brückenboden ausgefahren sei, sagte gestern Andreas Berr, der Projektleiter für den Umbau der Arena.
Auf Anraten der Polizei wurde festgelegt, dass die Brücken nur aus dem Sicherheitsleitstand am oberen Rand des Oberrings bedient werden können. Von dort habe man den besten Überblick über das Geschehen im Stadion, sagte Berr. In dem Sicherheitsleitstand wird es ein Pult geben, von dem aus ein Polizist auf die Entscheidung des Dienstleiters hin die Brücken ausfahren kann. Dies geschieht für jede Brücke einzeln per Knopfdruck, nie für alle gleichzeitig. Denkbar ist ein Einsatz der Brücken, wenn es eine Bombendrohung für einen Zuschauerblock im Stadion gibt, der Fluchtweg nach draußen aber versperrt ist.
Selbst bei Stromausfall können die Brücken bedient werden. Sie sind an ein Notstromaggregat angeschlossen. Außerdem gibt es zwei verschiedene Stromkreisläufe. Ein Handbetrieb ist nicht vorgesehen. Der Einbau der Brücken kostet zwei Millionen Euro.

Von Ulrich Paul

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