presse

Wasserwesen auf Wolke sieben

17.8.2004
Märkische Allgemeine


Die
stefan fittkau metallbau + kunstschmiede gmbh war bei diesem Projekt als Sponsor und Hersteller diverser Edelstahlteile beteiligt.

Stahl-Wasser-Licht-Installation feiert Tritons Rückkehr in den Lustgarten

Not macht bekanntlich erfinderisch. Weil von der Neptungruppe im Lustgarten bis auf einen Triton nur noch Fragmente erhalten sind, komplettieren die Potsdamer Künstler Raiko Epperlein und Rainer Fürstenberg den meeresgöttlichen Triumphzug für einen Abend elementar - aus Nebelschwaden. Der Anlass ist ein freudiger: Tritons Rückkehr am 20. August. Der mit Kopf und Rumpf eines Mannes und dem Schwanz eines Fisches dargestellte Jüngling hatte in einem Kleinmachnower Privatgarten die Zeiten überdauert. Der Besitzer, im Bilde über den Wert des lädierten Sandsteinriesen, übergab ihn im vergangenen Jahr dem Rotary-Club "Alter Markt". Dessen Mitglied Rudolph Freiherr von Ketteler hatte 2001 eine Initiative zur Wiederherstellung des im Krieg stark beschädigten Neptunbrunnens gestartet.

Ausgehend von Poseidons einsamem Sohn zeichnen Plastiker Fürstenberg und Lichtdesigner Epperlein mit ihrer Stahl-Wasser-Licht-Installation die wichtigsten Bewegungslinien von Potsdams einstmals größtem Skulpturenensemble nach. 180 Meter Edelstahlrohr haben die Männer dafür kalt gebogen und Löcher für 600 Düsen gebohrt. Sie sorgen an der wasserdurchflossenen Konstruktion für feinsten Sprühnebel, der angestrahlt das Volumen von Tritons verschollener Verwandtschaft "relativ klar" skizzieren soll, so Epperlein über ihr drittes gemeinsames Projekt, dass zahlreiche Potsdamer Firmen unterstützen.

Auf dem Video sieht alles perfekt aus, scheinen die Wasserwesen auf Wolke sieben im Lustgarten einzuschweben. 25 Kubikmeter gefiltertes Nass aus dem Teich werden pro Stunde für das vorerst einmalige Spektakel durch die Rohre gepumpt. Und dann? "Könnte das Schauspiel per Münzeinwurf als Touristenattraktion dauerhaft erhalten bleiben", hofft Fürstenberg - um weitere Sponsoren zu werben.

Den Entwurf für die Gruppe hatte Johann August Nahl um 1749 auf Wunsch Friedrichs II. gefertigt: Der Dreizack schwingende Poseidon auf dem Muschelwagen ließ sich von Seerössern durch die Fluten ziehen, im Gefolge Nymphen, Nereiden und Delphine. Von den vormals zwölf Figuren wird nun einzig der restaurierte Triton von Mitarbeitern der Firma Naturstein Potsdam wieder auf den Sockel gehoben, nachdem ihn der Berliner Steinbildhauer Andreas Hoferick gereinigt und fehlende Gliedmaßen ergänzt hatte.

CAROLA HEIN
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